2001/08 Enduro Aspang
- Details
- Kategorie: Geschichten
- Veröffentlicht am Sonntag, 15. Januar 2012 19:52
- Geschrieben von stefan
- Zugriffe: 47
Stefan und Jörg fahren beim MAC Cup mit
| Wo | MAC Cup 2001, Aspang |
| Wann | 08/2001 |
| Wer | Stefan, Jörg |
MAC Cup Aspang 2001
Seit dem Endurorennen Aspang 2000 checkte ich die Web-Site des Motorrad-Club Mattersburg in regelmäßigen Abständen um mich endlich für das Rennen 2001 melden zu können.
Im Mai war es dann endlich soweit. Irgendwie hatte ich mir gedacht wieder die gleiche Aufstellung wie im Vorjahr zu haben (Dü und Ktm als Team und mein Bruder Jörg und ich als zweites Team).
Wer konnte damit rechnen daß Herr Dü zum beschaffen eines Erdferkel-Geräts glatte 10 Monate braucht und sich somit von der Teilnahme zurückzog.
Zumindest meldeten Jörg und ich uns als Team und Ktm wollte als Einzelfahrer (ganz schön mutig) an den Start gehen. Wie es so kam, verschlampte der Veranstalter die Anmeldung für Ktm, und Jörg und ich mußten am Freitag, den 10.8.2001, alleine ein g´scheites Plätzchen im Fahrerlager reservieren.
Zwei Wochen zuvor verfolgten wir Tag für Tag die Wetterprognosen für das Wochenende zum 11. und 12. August. Mal hieß es heiß und sonnig und dann wieder regnerisch. Nichts von dem hätten wir wirklich haben wollen und prompt regnete es Freitag Abend, daß Vertrauen auf die Befahrbarkeit der Piste sank mit jedem Liter Regen der zu Boden fiel.
Samstag kam es aber anders. Herrlich bewölkter Himmel und gerade mal etwa 20°C. D.h. Training und Prolog unter besten Bedingungen. Deswegen fuhren wir zwar nicht viel besser, aber es war bei weitem angenehmer.
Laut Digital-Tacho, dessen Magnetabnehmer sich nicht wie letztes Jahr gleich bei der ersten Runde verabschiedete, mussten wir 12,5 km pro Runde bewältigen. Nachdem Jörg beim Prolog 4 Minuten schneller war als ich (so lange brauchte ich in etwa um den Bock, der in einer Waldkurve meinte in den Spurrinen nach Trüffeln suchen zu müssen, zu bergen und es sei nicht zu ünterschätzen: Jörg kann fahren wie Sau), musste er am Sonntag zum Massenstart antreten. Dieser gestaltete sich etwas hektisch. Bei den letzten Checks haben wir bei seiner Kant´n feststellen müssen, daß sich der Kranz anbahnte in seine Bestandteile aufzulösen. Teils ausgebrochene Zähne zwangen ihn zum Wechsel des Antiebssatzes. Nach hektischem Einschlüpfen in die Kunststoff-Panier schaffte er es gerade noch rechtzeitig beim Start zu erscheinen.
Obwohl eh klar war, daß fast alle anderen Teilnehmer mehr Kampferfahrung aber dafür weniger Überlebenswillen hatten, gab er dem Bock die Sporen und mischte sich ins Hauptfeld. Spätenens bei den Passagen bei denen sich die Spreu von denen trennte denen es egal war ob ihr Bock noch irgendwie eine Art von Spurtreue zeigte, mußte er ein paar Streiter passieren lassen. Zeitgerecht an seiner Prologzeit Maß nehmend, stellte ich mich zum Start um von ihm nach Ankunft abgeklatscht zu werden. Ich mußte nur wenige Minuten warten bis der Untergrund zu spüren bekam, was es bedeutet wenn der Flachschieber meines Bocks die Papp´n voll aufreißt. Dies wärte aber nur auf der Startgeraden, denn gleich nach der ersten Kurve mußte ich auf der recht anspruchsvollen Piste das Tempo meinem Offroad-Können anpassen.
Die Waldstrecke wurde durch die knapp 100 Fahrer, die sich pro Runde im Terrain bewegten, auch nicht besser.
Etwa 30% des Parcours führten durch den Wald bevor das offene Gelände der Schottergrube bewältigt
werden musste. War noch letztes Jahr das Streckenstück mit den offen liegenden nassen Baumwurzeln der pulstreibendste Teil, gehörte dies heuer im Vergleich zu den Trassen-Auf- und Abfahrten, eher zur Yogapartie.
Bei so mancher Abfahrt konnte ich nicht weit genug nach hinten rutschen um ein sicheres Gefühl zu bekommen nicht beim nächsten Steinchen am Vorderhuf meines Bocks nach vorne über zu kippen. Die recht nette Doppel-Steilauffahrt zwang so manchen Fahrer knapp vor Auffahrtsende seinem Gatschhüpfer unfreiwillig wegzuwerfen. Wer es rechtzeitig checkte, zupfte seine Gurke noch ordentlich auf, um wenigstens diese nach oben zu katapultieren.
Wohlgemerkt sei hier, daß unsere Mutter uns mit Catering und seelischen wie auch handwerklichen Beistand im Fahrerlager zur Seite stand. Sie opferte ihr wohlverdientes Wochenende um einmal mitzuerleben, womit sich ihr Nachwuchs Zeit und Geld vetreibt.
Zu Mittag kamen auch Ktm und Silvi zu Besuch und gaben ihr Bestes das Geschehen auf Fotos zu bannen.
Ktm war es anzusehen, wie gerne er hier mitgefahren wäre. Bei jedem Blick auf die Strecke bekam er so ein eigenartiges Zucken im rechten Handgelenk. Vielleicht gut so daß seine Anmeldung untergegangen war. Mit seiner neuen, bestimmt aber auch mit seiner alten Kant´n, wär er uns um die Ohr´n gefahren und hätte uns ziemlich traurig aussehen lassen.
Kilometer hat er und Silvi aber trotzdem gemacht. Respekt. Sie passten mich und Jörg an Stellen ab,
an denen sie schon zum Schnappschuß bereit standen, bevor wir dort von den Unebenheiten der Topographie fast bezwungen zur mehr oder weniger guten Pose bereit standen bzw lagen.
Wieder einmal nervös am Start wartend, einmal Motor an, weil der Abklatsch jeden Moment passieren könnte, und dann wieder Motor aus, da die Kiste drohte heiß zu laufen, kam Jörg etwas verspätet und statt mir den Start mit einem Handschlag zu legitimieren, fuchtelte er nur wild herum und deutete auf den Boden.
Klar, dachte ich mir, Untergrund unberechenbar und Piste immer g´schissener. Es dauerte etwas bis ich das Gestammel aus seinem Helm verstand und er mir beizubringen versuchte, daß er einen Platten am Vorderrad hätte. Ups. Später stellte sich heraus, daß sich offenbar ein Stein in seinem Mantel mit einem 2,5 cm langem Schnitt verewigte und natürlich den Schlauch gleich mitnahm.
Für mich hieß das, sich entweder für eine Runde soviel Zeit zulassen, daß es sich ausginge einen Mantel mit Schlauch zu tauschen oder mindestens 2 Runden zu fahren. Ersteres fiel weg, da es erstens gar nicht so viele Stellen gab an denen ich Pause hätte machen können und zweitens wäre ich bei so langsamer Fahrt als stehendes Hindernis geltend mit einer Pistenmarkierung versehen worden.
Wie erwartet war nach der Runde die Ablöse nicht in Sicht und die Handzeichen unserer Mutter bestätigten, daß er noch nicht fertig war. OK! Gewendet und ab zur nächsten Runde. Für viele der Mitstreiter auf ihren Kampfrössern Gang und Gebe und sogar eingeplant, aber für mich eine Frage ob ich von dieser überhaupt heimkehre. Eigenartigerweise kam mir diese sogar leichter und schneller vor.
Bis auf einen heftigen Köpfler, welcher mich ungespitzt in einen Sandhaufen trieb, war die Runde gut bewältigt. Irgendwie vereinbarte sich eine Spurrille nicht mit einem von Anschlag links nach rechts rotierenden Lenker.
Der plötzlich aufkommende Größenwahn eventuell eine dritte Runde anzuhängen wurde, vielleicht zum Glück, von einem schon entfernt in den Tiefen meines Tanks herkommenden Plätschern der Nahrungsreserven meiner Mühle unterdrückt. Außerdem hat sich meine Vorderbremse fast zur Gänze ins Nirvana gesellt.
Der Zug am Bremshebel, welcher übrigens ohne Problem bis zum Griff zu holen war, verursachte nur noch ein leichtes Kratzen und Grammeln welches mehr an die letzten Atemzüge einer Schellack auf einem Grammophon erinnerte.
Da sich für mich nur noch eine Runde ausging, brachte ich mit etwas mehr Bremsflüssigkeit auch noch die verbleibende Löschpapierdünne Schicht Bremsbelag der Scheibe näher. Das mußte reichen. 15 Minuten vor Renn- bzw Startschluß, denn die Schlußzeit bezeichnet den letztmöglichen Start, gab mir Jörg, der in dieser Runde seine letzten Reserven verflucht gut ausschöpfte, noch die Gelegenheit zu starten.
Ich hätte es besser bleiben lassen. Das Fleisch tat es nicht so ganz wie es sich der Geist dachte. Hindernisse, die vorher fast unbeachtet links, rechts oder auch mittig liegen gelassen, nutzten meine träge Reaktion und zwangen mich öfters denn je die Strecke aus Bodennähe zu betrachten.
In Summe habe ich bestimmt einen Mittelklassewagen vom Boden hochwuchten müssen. Spät aber doch war auch die letzte Runde bewältigt. Kaum im Lager angekommen und ein kühles Bier in Händen, bedauerte ich das Ende dieses Rennens und freute mich schon auf nächstes Jahr. Für so einen Hobby-Enduristen wie mich war es anstrengend aber fordernd und dass wir hier keinen Blumentopf gewinnen, war Jörg und mir von Anfang an klar.
Das beste Team zählte 21, der beste Einzelfahrer 20 und wir gerade mal 9 Runden. Im Vergleich zu den 5 im Vorjahr für uns eine Verbesserung. Es nahmen 74 Teams und 38 Einzelfahrer an diesem 6 Stunden Event teil.
Das Können der Fahrer war bunt gemischt und erforderte ein aufeinander achten, um den Schnelleren, die um Sekunden kämpften, das Vorbeikommen zu ermöglichen und diese sollten die Langsameren wiederum beim überholen nicht planieren und ihnen ohne Druck ein kontrolliertes Bewältigen der Hindernisse gewähren. Hier geht es schließlich um keine Renngelder.
Im nächsten Jahr hoffen wir dann wieder auf das Beisein von Ktm und Dü. Wer jedoch dann diese wunderbaren Fotos schießt bleibt noch offen.
Leider halten sich derartige Veranstaltungen in Österreich sehr in Grenzen. Das Feindbild des zerstörenden und lärmenden Gatschfahrers ist hier einfach zu groß.
Dank den Grubenbesitzern und den Anrainern die durch ihre Einwilligung uns diesen Spaß ermöglichen und auch dem Motorrad-Aktiv-Club Mattersburg, welcher sich die Mühe macht dies zu veranstalten.
Unter diesem Haufen von Gleichgesinnten macht das Fahren doch den meisten Spaß.
Fotos:

So schauts dort aus

Stefan fährt ...

Stefan fährt no immer ...

Stefan fährt nimmer ...

Stefan kann Starthilfe gebrauchen (im Bild von ktm)

am Ende der Runde hat er sich eine Rast verdient ...

Jörg

Waldauffahrt


im Ziel!






