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2008/07 Jörg und Stefan in Norwegen!

Ein Nachtrag zu 2008 hat mich erreicht - Jörg und Stefan unterwegs in Norwegen...

 

Erlebt von Jörg und Stefan.

Anfang 2008 rätselten wir, welches Urlaubsziel dieses Jahr angefahren werden sollte. Bedingung war es, mit dem eigenen Fahrzeug innherhalb von 3 Wochen anfahren, sich dort eine Zeit lang aufhalten, und wieder zurückkehren zu können. Jörg stach mit dem Zirkel in Wien ein und zog auf der Europakarte einen Kreis, der unseren ungefähren Aktionsradius darstellte. Griechenland waren wir letztes Jahr, Schottland & Irland waren wir schon 2mal, Korsika & Sardinien waren vorletztes Jahr dran. Wir beschlossen die Pyrenäen anzufahren, im ZikZak zu überqueren und wieder nach Hause. Nicht spektakulär, aber bestimmt ein Genuss für den Mopedisten und dessen Gaumen. Nachteil am Pyrenäen-Ziel war, daß es nicht wirklich etwas Neues ist. Die Region war uns bekannt. Schließlich entschlossen wir uns einige Wochen später doch etwas Neues sehen zu wollen und änderten unser Ziel auf Süd-Norwegen. Ein Expeditionsurlaub, um festzustellen, wie Landschaft, Infrastruktur und Menschen sind.

Sonntag, 27ster Juli

Um 19:56 Uhr fuhr der Autozug von Wien-Westbahnhof nach Hamburg-Altona ab. Klar, daß ich mir beim befahren des Waggons die erste Schramme am neuen Helm geholt habe. Mit dem Kopf am Tankrucksack sieht man nicht viel. Ausnahmsweise fuhren wir pünktlich ab. Bis zur Abfahrt verbrachten wir die Zeit am Bahnsteig, um den klaustrophobischen Anfall, den wir beim Einbringen unseres Gepäcks in unser Abteil bekommen haben, abklingen zu lassen. Für 6 Personen ist es ausgelegt, aber die ÖBB war so nett nur 4 Betten zu belegen. Das Klo am Ende des Wagons war größer.

Montag, 28ster Juli

Wir kamen, wie laut Fahrplan, um 8:06 Uhr in Hamburg-Altona an. Aber auf die Mopeds mussten wir noch eine dreiviertel Stunde warten. Danach ging es auf die Autobahn und direkt nach Puttgarden, um von der noch deutschen Insel Fehmarn gegen Mittag mit der Fähre nach Rodby in Dänemark überzusetzen. Das Stück von dort, an Kopenhagen vorbei, nach Helsingor war richtig öd. Dagegen war die Fähre nach Helsingborg ein richtiges Ereignis. An die maximal erlaubten 110 km/h auf dänischen Autobahnen mussten wir uns erst mal gewöhnen. In Glommen (etwa 100 km südlich von Göteborg) campierten wir.

Dienstag, 29ster Juli

Ziel war Richtung Oslo. Wir konnten noch nicht so richtig einschätzen wie weit wir mit max 110 auf der Autobahn kommt. Kurz vor Göteborg “endlich” Regen. Das sollte Abwechslung und hoffentlich auch etwas Abkühlung bringen. Es war viel zu warm. Genau auf der Stadtautobahn von Göteborg hörte es auf zu regen und praller Sonnenschein brannte uns im zähen Verkehr auf die schwarze Gummihaut. Nach kurzer Zeit waren wir außen trocken und innen naß. Irgendwie, nach dem x-ten mal Leitplanken-Reflektoren-Verzählen, waren wir plötzlich in Norwegen. Fiel mir auf, da plötzlich auf der Autobahn nur noch maximal 100 km/h erlaubt waren. Die Schadstoffbelastung ist dort bestimmt niedriger, aber wieviel Leute da wohl am Lenker einschlafen?

Oslo umfuhren wir dezent. Wir kürzten die Umfahrung des Fjords von Oslo bei Drobak mit einem Tunnel unter dem Fjord ab. Bei einem Campingplatz in der Nähe von Sundvollen (südlich von Honefoss) kamen wir zur Ruhe.

Mittwoch, 30ster Juli

 

Während des Morgenkaffees (eigentlich war es schon Vormittag) beschlossen wir nach Stavanger zu fahren. Natürlich nicht an diesem Tag. Das war nicht zu schaffen, aber in die Richtung und als Ziel. Anzumerken ist, daß wir so etwas wie “vorweg geplante Routen” nicht hatten. Unser Idee sah vor, nach Norwegen zu fahren, uns dort südlich von Trondheim zu bewegen, und nach etwa 2, 5 Wochen wieder zu Hause zu sein. Ziele und Wege wollten wir nach örtlicher Beschaffenheit und Laune entscheiden.

Stavanger selber war nicht unser beschlossenes Ziel. Den dort in der Nähe befindlichen Preikestolen wollten wir besteigen. Seine über 600 Meter senkrecht abfallende Kante wäre bestimmt interessant zu betrachten. Die ersten paar Kilometer waren unaktraktiv. Viele Umleitungen, viel Verkehr und relativ dicht besiedelt. Erst nach dem Ort Notodden, in welchem am nächsten Tag ein grosses Blues Festival stattfinden sollte, wurde die Landschaft nach unserern Vorstellungen nordischer. An diesem Tag musste ich feststellen, daß die bisherigen Erfahrungen für das Schätzen machbarer Tagesetappen hier nicht anzuwenden waren. Auf einem sehr netten, an einem kleinen See gelegenen Campsite, in der Nähe von Haukeligrend übernachteten wir.

Hier trafen wir einen Polen der mit seinem Gasrad'l einen Zwischenstopp machte. Sein Gepäck bestand aus einem kleinen Wimmerl am Heck seines Mopeds und einem gut gefülltem Tramperrucksack am Rücken. Ich kann mir bequemeres vorstellen.

Dass in Norwegen drakonische Strafen für Verkehrssünder warteten war mir bekannt, aber die bei uns üblichen “10 Prozent drüber gehen noch” sind dort nicht drinnen. Dem Polen haben sie 1000 Kronen direkt nach der Grenze und 2 Stunden danach gleich nochmal abgenommen. 1000 Kronen entsprechen etwa 125 Euro und für den Betrag muss man nicht viel über die erlaubten 80 km/h fahren. Das erklärt, warum die meisten Norweger nicht über 75 fuhren. Wir sind an diesem Tag auch oft über Limit gefahren, aber irgendwie dürfte die nicht ganz originale Auspuffanlage des Polen ihm zwar vor den Wildtieren Norwegens schützen, aber die Gesetzeshüter anziehen. Das Teil war mehrere Täler im voraus zu hören.

 

Donnerstag, 31ster Juli

 

Beim Morgenkaffee betrachteten wir die Straßenkarte und mussten feststellen, daß die Anfahrt nach Stavanger zu diesem Zeitpunkt des Urlaubes zu ungünstig wäre. Wir wären dann im südwestlichen Eck, obwohl wir noch einen beachtlichen Teil nach Norden wollten. Da wir, um nach Hause zu kommen, sowieso nach Süden mussten, verlegten wir den Preikestolen an das Ende des Urlaubs. Also ab nach Norden.

An einem Pass mussten wir wegen einer Einbahn-Regelung etwas warten.

Wir trafen hier ein griechisches Pärchen auf einer Bandit. Er meinte, daß er genau vor einem Jahr an dieser Stelle war und viel mehr Schnee lag. Dem entsprechend waren er und seine Freundin dick angezogen. Zu blöd nur daß es fast 30 Grad Celcius hatte. Die Sozia war im Gegensatz zum Fahrer etwas unentspannt. Wir fuhren weiter Richtung Odda. Wasserfälle gab es genug.

Nach Odda folgten wir der westlichen Uferstrasse des Sorfjorden und setzten bei Utne mit der Fähre nach Kvanndal über.

Weiter nach Voss. Die Landschaft zog den Blick immer wieder weg von der Strasse.

Ich möchte mit dem Moped nicht hier sein, wenn diese großen Schneestangen gebraucht werden.

Nach Voss bei Vangsnes mit der Fähre nach Hella. Es war viel zu warm für unseren Geschmack. Bei Voss hatte es 32 Grad Celsius. Wir wollten wieder in die Berge. Dorthin, wo es kühler ist. In der Nähe von Vatnasete hielten wir für die Nacht.

Freitag, 1. August

 

Die teilweise Sonnenfinsternis gegen 11:30 Uhr erlebten wir unter dem Gletscher Optaksbreen. Ein mautpflichtiger Tunnel führte uns unter ihm durch auf die Nordseite.

An schmalen Uferstrassen entlang

ging es wieder in die Berge.

Wie geschrieben: Wasserfälle gibt es genug.

Am Fusse der Serpentinen in der Bildmitte leicht links liegt die Stadt Geiranger, welche Luftlinie über 60km von der Küste entfernt ist, aber mit einem Fjord Meereszugang hat.

Im Panoramabild ist das Geirangerfjord zu sehen. Links die Stadt Geiranger und rechts ein Schiff Richtung Sanylssfjord.

Bei Eisdalen mit der Fähre nach Linge.

Mit Kurs leicht Nordwest strebten wir Richtung Küste.

An der Küste angelangt, nahm auch die Besiedlungsdichte und Industrie zu. Richtig ernüchternd, verglichen mit den Eindrücken des Tages. Bei Tresfjord westlich von Andalsnes hielten wir.

Im Raum zum Waschen des Geschirrs dieses Campsites hing eine Europakarte. Sie führte uns vor Augen wie weit weg wir von zu Hause waren. Wir waren auf einem Breitengrad mit Grönland und Alaska. Für einen kurzen Moment überlegten wir den Polarkreis anzufahren. Aber nur für einen Kurzen. Machbar wäre es gewesen, aber dann wären wir den Rest unseres Urlaubs nur gewetzt. Sofern man das mit den in Norwegen geltenden Geschwindigkeit-Limits so nennen kann. Es wären zwar nur etwa 850 km hin gewesen, aber das Ganze muss ja auch wieder retour gefahren werden. Und dann ist nichts mehr mit dem Preikestolen.

 

Samstag, 2. August

 

Diesmal kamen wir etwas später weg. Bei Andalsnes bogen wir wieder ins Landesinnere Richtung Lillehammer. Auf halben Wegen fuhren wir bei Lesia von der Hauptroute und verwöhnten uns mit einer auf der Karte weiß eingezeichneten Strasse. Sollte so was wie ein Singletrack, Schotterstrasse oder Ähnliches sein. Die Mautstation am Anfang der Strasse verwunderte uns etwas. Weniger der Umstand Maut zahlen zu müssen, als die Art und Weise wie. Auf einem Kuvert Namen, Kennzeichen und Mautbetrag ausfüllen, in dieses Geld zu deponieren, zukleben, Durchschlag abreissen, einstecken und Kuvert ins Blechkisterl einwerfen. Sowas habe ich bisher weder gesehen noch davon gehört.

Nach ein paar Kurven schraubten wir uns auf ein Plateau und der Anblick dort oben entschädigte die Maut. Trotzdem die Strasse nur aus gepresstem Dreck bestand, war der Grip nicht zu bemängeln.

Kurz nachdem wir wieder auf der Hauptroute waren, fing es an zu regnen und hörte für den Tag auch nicht mehr auf. Bei Brottum südlich von Lillehammer machten wir für den Tag Halt. Die Zeltwiese dort war so aufgeweicht und das Gras so hoch, daß sich unsere Motivation bei strömenden Regen ein Zelt aufzubauen sehr in Grenzen hielt. Wir mieteten für die Nacht eine der überall im Land angebotenen Hütten.

Sonntag, 3. August

 

Der Himmel sah zwar nicht so aus, aber es hatte endlich zu regnen aufgehört. Ein Teil der Wäsche war sogar wieder trocken. Von hier aus wollten wir uns mit Kurs WSW unseren Weg Richtung Stavanger fortsetzen. Weit kamen wir nicht und mussten schon wieder in die Gummihaut schlüpfen. Die Hoffnung, dass es sich um regionale Wettererscheinungen handelte, schwindete mit jedem gefahrenen Kilometer und jedem am Helm verronnenen Liter Wasser. Kurz nach Gol machte Jörg den Vorschlag das Ziel Preikestolen auf die Stadt Bergen zu ändern. Dem zuzustimmen fiel mir nicht schwer. Bergen lag von unserer Position günstiger. Städtebesichtigungen sind nicht unbedingt meines, aber bei strömenden Regen einen Felsen zu erwandern noch weniger.

Kurz nach Geilo ging es wieder auf etwa 1200 m. Wirklich beeindruckende Landschaft. Karg, kalt, windig und trotzdem fesselnd schön.

Als wir uns beim runterfahren langsam wieder Meeresniveau näherten und dabei einige Tunnel durchfuhren, fiel mir ein eigenartiges Zwitschern, gefolgt von einem Klacken auf. Seitlich rangefahren bestätigte sich der Verdacht. Das hintere Radlager hatte sich verabschiedet. Ich spekultierte damit noch in den etwa 50 km entfernten Ort Voss zu kommen. Laut Karte etwa 10.000 Einwohner. Da müssten Werkstätten sein. So weit kam ich jedoch gar nicht. Nach 15 km war aus dem Zwitschern und Klacken ein gräßliches Grammeln und Krachen geworden. Ich hatte das Gefühl Kieselsteine statt Kugeln zwischen den Lagerschalen zu haben. Im Örtchen Eidfjord stoppte unsere Fahrt. Ein netter kleiner Campsite von einer netten kleinen älteren Dame geführt.

Wir hätten es bei weitem schlechter treffen können. Es war später Nachmittag am Sonntag und wir waren in einem Ort mit einem Supermarkt, einer Tankstelle und einer Touristeninformation. Mit dem nächsten Morgen sollten sich mir die besten Bedingungen zur Behebung des Schadens bieten. Die Versuche beim ausgebauten Rad das Lager mit einem Zelthering und einem Gummihammer rauszutreiben waren mehr als kläglich und fast bemitleidenswert.

 

Montag, 4.August

 

In der Früh zur Tankstelle und nach einem Lager bzw Werkstätten fragen. Außer Zündkerzen und Keilriemen bot die Tankstelle nichts. Also zur Touristen-Information. Ein anfängliches Missverständniss ließ die junge Norwegerin glauben, daß ich eine Werkstätte für mein Fahrrad suchte und zuckte nur mit den Schultern. Also ich assoziiere mit dem Begriff “Bike” zuerst ein Motorrad. Als ich ihr erklärte, daß es sich bei diesem Fahrrad um ein etwa eine viertel Tonne schweres Motorrad handelt, telefonierte sie etwas herum und fand Jemanden der mir helfen könnte. Die nächste Hürde war, dieser jungen Frau auf Englisch das Aussehen, Nutzen und Lage eines Radlagers zu schildern, um dem Mechaniker am anderen Ende der Telefonleitung meine Situation auf Norwegisch zu beschreiben. Sie hatte nicht die geringste Ahnung was ein Kugellager ist. Mit Name und Adresse sollte ich den Typen im 6 km entfernten Ort Ovre Eidfjord finden. Also das Rad aufgeschnallt und ab in den nächsten Ort.

Die Urlauber des Camplingplatzes in diesem Ort vervielfachten die Einwohnerzahl. Da dieser Mechaniker nicht nur alle Maschinen im Umkreis von 50 km reparierte, sondern auch einen ebenso großen Abschnitt als Pannenhelfer betreute, musste ich einige Zeit bei seinem Haus auf ihn warten. Eine kleine Hinterhofwerkstätte im eigenen Garten. In einer seiner Wühlkisten fand er das passende Lager. Mit seinem Werkzeug war das alter Lager schnell raus und das neue Lager ebenso schnell rein geklopft. Zurück zum Rest des Motorades, Rad wieder einbauen

Und weiter nach Bergen. Etwa 20 km vor Bergen fiel mir im Rückspiegel auf, dass Jörg ohne Licht fuhr. Als sich nach einigen Handzeichen dieser Zustand nicht änderte, fuhr ich seitlich ran um ihn verbal darauf hinzuweisen. Bei ihm war aber alles angeschaltet. Wir wollten schon das H4-Lamperl tauschen, aber nach dem Abdrehen des Motors, war das Moped tot und es stank gewaltig. Nach dem Abnehmen der Sattelbank sahen wir auch schon warum. Die Batterie kochte und war schon bauchig aufgebläht. Die war kurz vor dem bersten. Schnell raus damit, und ich fuhr los um Ersatz zu finden. Wo besorgt man um 19 Uhr in Norwegen eine Motorrad-Batterie. Einige Tankstellen und geschlossene Werkstätten später kehrte ich ohne Batterie zu Jörg zurück. Gerade bei ihm angekommen, fuhr ein norwegisches Pärchen von ihm weg und kam 20 Minuten später mit einer Batterie zurück. Die haben bei Jörg gehalten und gefragt ob sie ihm helfen könnten. Sie meinten zu ihm, dass es hier in der Nähe nur 2 Geschäfte gäbe und ich die sicher nicht finden würde. Und als ich zurück kam bestätigte sich das. Sehr nett von den beiden. Sie boten uns auch an bei ihnen zu übernachten, aber da wir ein paar Nächte bei Bergen bleiben wollten, brauchten wir sowieso einen Campsite. Jörg und ich grübelten über die Ursache der gar gekochten Batterie. Nachdem wir die Erscheinungsbilder der letzten Kilometer Revue passieren ließen (durchgebranntes Abblendlicht, durchgebrannter rechter Blinker hinten, kochende Batterie und sehr starke Armaturbeleuchtung) tippten wir auf den Spannungsregler. Am Campingplatz bei Haukeland angekommen telefonierte ich mit Gerald und der bestätigte mir die Annahme. Die Stimmung fiel in den Keller. Das würde nicht so leicht werden wie das Radlager.

 

Dienstag, 5. August

 

Ich habe mir von unserer Position aus die Adresse der nächsten für Honda spezialisierten Werkstätte SMSen lassen. Zum Glück waren wir der Stadt Bergen so nahe. 15 Kilometer weiter war die Werkstatt “Minde MC-Service” zu finden. Eine wirklich kleine Holz-Bude am Eck zur Einfahrt einer Wohnsiedlung. Ich schilderte Jan, dem Mechaniker und Inhaber, die Symptome und er bestätigte, dass dies der Spannungsregler sein müsse. Er blätterte in einem Katalog und fand irgendwie nicht das richtige Teil. AfricaTwin Baujahre bis 92 und ab 94 aber kein 93er. Das ab 94 sollte passen. Wenn er sofort bestelle, würde es am nächsten Tag zu Mittag da sein. Mit einem Lächeln im Gesicht ließ ich bestellen. Am Nachmittag fuhren Jörg und ich mit meinem Moped nach Bergen und schauten uns die Stadt an. Bryggen ist wohl der bekannteste Stadtteil.

Es sah natürlich nicht alles so hübsch aus, aber wer fotografiert schon gern die Standard-Wohnbunker einer fremden Stadt.

Die Festung Bergenhus (kein Schreibfehler).

Am Campsite zurück war es 20:30 Uhr und ich hatte unsere Biervorräte etwas überschätzt. Ich wollte noch welches aus dem Supermarkt neben dem Campingplatz holen. Hat ja schließlich bis 23 Uhr offen. Ok! Dass Bier hier doppelt soviel kostet wie Benzin haben mir die Einkaufszettel der letzten Tage bewiesen, aber als die Kassiererin diesmal nur das Brot über den Scanner zog und den Sixpack wortlos vom Band hob und beiseite stellte, staunte ich nicht schlecht. So musste ich erfahren, dass in Norwegen an Werktagen nach 20 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Am Samstag sogar schon ab 18 Uhr. Das passiert mir bestimmt kein zweites Mal.

 

Mittwoch, 6. August

 

Der ständige Wechsel zwischen Regen und Niesel dämpfte ein wenig meine Motivation zur Werkstätte zu fahren. Die Gummipanier blieb mir nicht erspart. Der defekten Regler wurde noch schnell ausgebaut.

Jan verpasste mir gleich einen Dämpfer. Das Teil war nicht lieferbar. Das ging mir irgendwie nicht ein. Ein Teil für ein Motorrad, welches durchaus noch große Präsenz auf der Strasse zeigt, war nicht lieferbar. Nicht “...es dauert länger...” oder “...es muss Übersee bestellt werden... “. Nein. So richtig nicht verfügbar. Echt oarg. Er bot mir alternativ einen Spannungsregler an, welcher von einem Kunden bestellt aber nicht abgeholt worden war. Das Teil ist zwar für eine Honda CBR900, aber er meinte, dass es funktionieren sollte und adaptierte sogar die Stecker. Na dann....

Am Nachmittag haben wir das Teil eingebaut. Irgendwie ging gar nichts. Wir dachten schon, dass die Batterie wieder kaputt wäre, aber es hatte “nur” die 30A Hauptsicherung erledigt. Wieder aufs Moped und ab zur Werkstätte mit dem Teil. Er bot zwei Alternativen an: Einen Spannungsregler einer AfricaTwin für ein älteres Baujahr in Schweden oder einen für eine VFR in Oslo bestellen. Ersteres könnte länger dauern. Aber für den Tag war sowieso alles zu spät. Kein Geschäft, bei dem er hätte anrufen und fragen können, war noch offen. Ich sollte am nächsten Tag gegen 10 wieder kommen. Wir überlegten schon, uns das Teil zu Hause zu bestellen und per Eilbote zum Campsite liefern zu lassen. Das Gespräch mit dem Mechaniker am nächsten Tag wollten wir noch abwarten.

 

Donnerstag, 7. August

 

Ich stand pünktlich um 10 in der Werkstätte. Natürlich wieder in Gummi-Panier. Der Typ meinte, dass er bereits alles erledigt hätte. Wie erledigt? Eigentlich dachte ich, dass er ein wenig herum telefonieren würde und ich dann entscheiden könnte. Er hatte den VFR-Regler in Oslo bestellt und dieser sollte am Freitag gegen 10 da sein. Mir war nicht ganz wohl dabei. Wieder nicht der richtige Regler, wieder seine Aussage, dass es funktionieren wird und wieder ein Tag an dem wir nur warten und hoffen konnten. Wir brachten Jörgs Moped zur Werkstätte. Die 15 km waren ohne Regler kein Problem. Danach war Ruhetag, mit lesen und Wäsche waschen angesagt.

 

Freitag, 8. August

 

An diesem Tag sollte sich entscheiden, ob unsere Reise weiterging oder wir nach wie vor hier festsitzen sollten. Wir waren um 10 Uhr bei der Werkstatt, das Ersatzteil nicht. Aus irgendeinem Grund war die Postlerin bereits eine halbe Stunde vor Ladenöffnung da. Nach einiger Hin- und Her-Telefoniererei und Verfolgungsjagd des Postwagens durch Jan's Assistenten, kam das Teil doch noch in die Werkstätte. Während Jan einen Kunden bediente, zeigt uns sein Assistent sein Moped. Es musste im Labor Frankensteins erschaffen worden sein. Ich habe noch nie so viele verschiedene Markenfremde Leichen-Teile miteinander verbunden gesehen. Wenn ich es richtig sah, hat er einen 4-Zylinder-Reihenmotor in einen anderen Rahmen gequetscht. Schwinge gehörte nicht zum Rahmen, Sattel und Tank nicht interpretierbar, keine Spiegel, statt dem Flansch an den Vergasern zum Luftfilter waren nur Teesiebe, die Amaturen waren ein Witz, die Fussrasten weit hinten, der Auspuff, wenn man ein fast gerades Rohr so nennen darf, viel zu laut, und im allgemeinen war es ein so richtig abgefu...ter Gas-Bock mit höllischem Sound und Mörder Biss. Nach und nach kamen ein paar Freunde von Jan und es wurde viel Benzin gequatscht.

Jan baute den Spannungsregler ein und modifizierte die Stecker und Anschlüsse nach Schaltplan. Dann der spannende Moment. Jörg drückte den Starter und sie lief. Jan checkte noch mit dem Voltmeter das Bordnetz. Alles einwandfrei. Er verlangte als Entlohung gerade mal Materialkosten und eine Stunde Arbeit. Mehr wollte er nicht nehmen. An dieser Stelle großen Dank an Jan für all seine Bemühungen, Geduld und Hilfe. Sowas ist nicht selbstverständlich.

An Weiterfahren brauchten wir an diesem Tag nicht mehr zu denken. Weit wären wir nicht mehr gekommen und außerdem wurde uns die kommende Nacht am Campsite sowieso verrechnet. Wir hatten also mit dem restlichen Tag genug Zeit alles für die Abfahrt vorzubereiten.

 

Samstag, 9. August

 

Da sich unser Vertrauen an das neue Fremd-Implantat von Jörg's Moped erst aufbauen musste, wollte wir die noch zu fahrenden Strassenkilometer etwas reduzieren und beschlossen die Fähre von Kristiansand nach Dänemark zu nehmen, anstatt um Oslo über Schweden zu fahren. Die anfänglich gedachte Küstenroute rieten uns Jan's Freunde ab. Zuviel und zäher Verkehr. Die E9 sollte besser sein. Wir fuhren nach Gjermundshamn und wollten dort mit der Fähre nach Lofallsstranda übersetzen. Wie sollte es anders sein, fiel die Fähre mit Maschinenschaden aus. Zum Glück pendelten dort zwei Fähren und wir mussten nur etwas länger warten. Waren wir ja schon gewohnt.

An der anderen Seite angelangt, an der Uferstrasse entlang und unter dem Folgefonna-Gletscher durch nach Odda. Von dort Richtung Südost nach Haukeligrend, wo wir dann auf die E9 nach Süden schwenkten. Wirklich wenig, sehr wenig Verkehr und die Landschaft die wir von Norwegen erwarteten.

Eine echt schöne Strecke, auf der wir gut voran kamen. Gegen Abend trafen wir in Kristiansand ein und checkten noch den Hafen ab um am nächsten Tag leichter zum Verkaufsschalter und Verlade-Terminal zu finden. Bei Sogne, westlich von Kristiansand, campierten wir. Da wir am nächsten Tag früh aufstehen mussten und wir uns eventuell den Zeltabbau ersparen wollten, überlegten wir wieder in einer Hütte zu übernachten. Das machten wir aber nur kurz. Der Hüttenpreis pro Nacht betrug dort 1250 Kronen (über150 Euro). OK. Die Hütten waren pipifein. Fast schon Bungalows, aber um den Preis? Da waren wir wohl auf so einem Art Country-Club-Campsite gelandet. Mir kam vor, es wurde hier wieder schneller dunkel.

 

Sonntag, 10. August

 

4:45 Uhr und das Wetter hielt nicht. Es war kalt und regnete. Und das nicht wenig. Zeltabbau bei Regen gehört zu den schönen Dingen des Lebens. Im strömenden Regen mit voller Mopedmontur das Zelt verstauhen und das Gepäck am Bock verzurren. Zum Glück hatten wir den Hafen am Vortag ausgelotet. Das ersparte uns aber trotzdem nicht die einstündige Wartezeit auf der Lane am Verladeterminal. Versteht sich von selbst, daß es nicht überdacht war.

Endlich im Verladeraum und das Moped festgezurrt, musste das italienische Pärchen, welches hinter uns parkte, feststellen, daß ihre BMW eine Platten am hinteren Schlapfen hatte. Ein Drahtstift steckte im Mantel. Wir hätten zwar Schlauch-Flickzeug und Montiereisen mitgehabt, aber was nützt das bei einem schlauchlosen Reifen. Außerdem hätte sich von uns beiden keiner getraut ein Montiereisen an einer Spritzgußfelge anzusetzen.

Kaum waren wir mit dem Schiff in internationalem Gewässer, stürmten die Leute die Schiffsläden. Echt beeindruckend. Männer trugen unter jedem Arm je ein 24er-Tray Bier und in den Händen klemmte je noch ein Sixpack. Mütter hatten in den Körben der Kinderwagen Bier gestappelt. Unpackbar.

Zu Mittag kamen wir in Hirtshals an und … es regnete. Dazu kam aber jetzt noch starker Seitenwind von Westen. Heißt: Permanent latente Seitenlage nach Rechts bis fast nach Hamburg. Auf der ersten Raststätte in Deutschland kauften wir uns aus Genugtuung und Protest einen Sixpack. Selbst auf der Tankstelle war der Stoff mehr als die Hälfte billiger als im Norden. Bei Hamburg war es trocken, warm und für den Tag auch genug. Hier trockneten endlich unsere Zelte.

 

Montag, 11. August

 

Mit Außnahme, daß kein Tropfen Regen auf uns fiel, war dies kein besonderer Tag. Wir ließen uns Zeit. Mit früh aufstehen und wetzen hätten wir es vielleicht geschafft, in der Nacht in Wien anzukommen, aber auf einen Tag mehr oder weniger kam es auch nicht an. Auf der Autobahn war verhältnismässig viel Polizeipräsenz. Wir fuhren an Berlin vorbei bis Dresden. Es war wieder sehr warm. Wir beschlossen die Innenstadt von Dresden zu besichtigen und schlugen auf einem Campingplatz im Süden dieser Stadt unsere Zelte auf. Die Altstadt von Dresden ist echt beeindruckend. Hier der Innenhof des Zwingers. Auf diesem Bild, zu klein um es zu erkennen, ein Streichquartett welches sein Können zu Gehör brachte.

Das Ständehaus, Dresdner Schloß und die Hofkirche.

Und natürlich die Frauenkirche. Die dunklen Steine sind die Originalensteine der Kirche, welche nach der Zerstörung durch die Alliierten im 2.WK, noch verwendbar waren.

Wir kamen erst spät am Abend, kurz bevor der Schranken uns die Einfahrt zum Zeltplatz versperrt hätte, zurück.

 

Dienstag, 12. August

 

Wir gingen es gemütlich an. Schließlich hatten wir den ganzen Tag um, durch Tschechien zu fahren. Am Verkaufsschalter für Autobahn-Vignetten kurz vor der Grenze erfuhr ich, daß Mopeds in Tschechien keine Vignette brauchen. Ich weiß nicht mehr, ob ich dieser Auskunft oder der jungen Tschechin am Schalter wegen, so grinste. Ab der Grenze eine Prachtautobahn, wie aus dem Katalog bestellt. Pfoah! Die machen was aus der Maut und den EU-Geldern. Das hielt aber nicht lange an. Ab dann bestand die Autobahn aus kurzen Betonplatten, dessen Ende tiefer lag als der Anfang der Nächsten. Diese Stufe erzeugt beim darüberfahren im Kopf ein TaTack, welches sich alle paar Meter stundenlang wiederholte. Wer diese Strecke schon mal gefahren ist, weiß, was ich meine. Das nächste Mal fahren wir über Bayern. Am Nachmittag waren wir durch Wien und zu Hause. Es war leider genauso heiß wie bei der Abfahrt. Auch ein Grund unseres Nordurlaubes.

 

Trotz der Pannen war es ein genialer Urlaub und übertraf unsere Erwartungen. Menschen und Land beindruckten und wir sind uns sicher, nicht das letzte Mal dort gewesen zu sein.